Altstadtrundgang

Das Herz des Bezirks bietet nicht nur Geschäfte, vielfältige Gastronomie und Kultur, man kann auch auf historische Entdeckungsreise gehen oder die Ruhe im Grünen und am Wasser genießen. Über das Jahr verteilt locken zahlreiche Feste und Märkte Einheimische und Besucher in Berlins größte zusammenhängende Fußgängerzone, auf den Marktplatz und die Promenade am Havelufer.

Die klassische Altstadt ist ringsherum von Wasser umflossen. Trotz der enormen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und radikalen Sanierungen in den 1950er und 1970er Jahren konnte sie viel von ihrem ursprünglichen Charakter bewahren.

 

 Unterwegs im Herzen des Bezirks

Rathaus Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Das Rathaus wurde in den Jahren 1910 bis 1913 mit dem Willen erbaut, gegenüber Berlin Größe und Unabhängigkeit zu demonstrieren (Foto: Ralf Salecker)

Unser Rundgang durch die Altstadt beginnt am Rathaus Spandau. Das imposante Gebäude mit dem hohen Turm befindet sich direkt neben dem Bahnhof Spandau, sodass es Besuchern, die mit der Fern-, Regional-, S- oder U-Bahn nach Spandau kommen, sofort ins Auge springt. Es wurde in den Jahren 1910 bis 1913 mit dem Willen erbaut, gegenüber Berlin Größe und Unabhängigkeit zu demonstrieren. Auch gegenüber der Kirche wollte die Spandauer Bürgerschaft ihr Selbstbewusstsein zeigen. Darum musste der Rathausturm selbstverständlich höher werden als die St.-Nikolai-Kirche. Noch heute gibt es kleine augenzwinkernde Sticheleien zwischen Berlinern und Spandauern. Schließlich ist Spandau ein paar Jahre älter als der Rest Berlins.

 

Stabholzgarten (Foto: Ralf Salecker)

Früher wurde hier Stabholz zur Herstellung von Salzfässern gelagert (Foto: Ralf Salecker)

Havelpromenade bis zur Charlottenbrücke

Hinter dem Rathaus sind es nur ein paar Schritte bis an die Havel und in den neu hergerichteten Stabholzgarten. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde an diesem Ort Stabholz zur Herstellung von Salzfässern gelagert. Von großen Kähnen lud man das über die Havel angelieferte Salz auf kleinere Kähne, um es weiterzutransportieren. Heute lädt eine schöne Promenade zum Schlendern und Verweilen am Wasser ein. Die große Wiese ist im Sommer ein attraktiver Treffpunkt für die Jugend. Die etwas Älteren finden zwischen Rosen und anderen Blumen zahlreiche Bänke. Am Rande der Liegewiese erinnert ein Kriegerdenkmal an die 4.000 Toten des 5. Garde Grenadier Regiments im Ersten Weltkrieg. Neben der Grünanlage springt ein altes Ziegelbauwerk am Mühlengraben, dem alten Stadtgraben Spandaus, ins Auge: das Batardeau, auch Bär genannt. Es wurde im Jahre 1843 errichtet, um den Wasserstand im Festungsgraben und im Mühlengraben zu regulieren und so einem potenziellen Feind den Angriff zu erschweren.

Havelbrücke (Foto: Ralf Salecker)

Ein Konstruktionsfehler führte dazu, dass die Havelbrücke an ihren Enden zum „Abheben“ neigte, wenn ein Zug sie passierte (Foto: Ralf Salecker)

Seit 1998 verbindet eine neue wuchtige Stahlbrücke beide Ufer der Havel am Stabholzgarten und ermöglicht so den reibungslosen Bahnverkehr. Als innovatives Bauwerk gedacht, musste bei der neu errichteten Havelbrücke am Ende ein kapitaler Konstruktionsfehler für 8 Millionen Euro ausgeglichen werden: Sie neigte an ihren Enden zum „Abheben“, wenn ein Zug sie passierte. Den Fußweg über die Brücke gibt es erst seit Ende 2009. Er kostete auch noch einmal 1,8 Millionen Euro.

Über eine kleine Brücke, den Lindensteg, gelangen wir vom Stabholzgarten zum Lindenufer.

Der Uferweg führt uns schon nach wenigen Metern zu einem Schiffsanleger. Wer mag, kann hier eines der vielen Fahrgastschiffe nehmen, um sich Spandau von der Wasserseite anzuschauen, oder mit dem Dampfer nach Berlin oder ins Umland aufbrechen. Wir spazieren jedoch gemütlich weiter auf dem Uferweg. Auf unserem Rundgang führt er uns bis zu Schleuse. Wer länger am Wasser laufen will, kann ihm bis nach Hennigsdorf folgen.

Lindenufer (Foto: Ralf Salecker)

Mitten in der Stadt sein und zugleich nah am Wasser (Foto: Ralf Salecker)

Am Lindenufer kann man glatt vergessen, wie nah der Trubel der Großstadt ist: Hohe Lindenbäume säumen die Promenade, viele Bänke laden zum Verweilen ein und ein schöner Spielplatz bietet Spaß für die Kleinsten mit ihren Eltern. Bevor hier im Jahr 1880 eine Grünanlage entstand, trennte die Stadtmauer die Straße von der Havel. Bei Hunger oder Kaffeedurst besteht jederzeit die Möglichkeit, linker Hand in die Fußgängerzone einzuschwenken, um dort ein Restaurant, eine Konditorei oder ein Café zu besuchen.

Die nächste Brücke, die wir passieren, ist die Charlottenbrücke, früher Stresowbrücke genannt. Sie befindet sich an einer der ältesten belegten Havelüberquerungen in Spandau. Der Name Stresow kommt wahrscheinlich aus dem Slawischen und bedeutet gesicherter Flussübergang. Schon Anfang des 15. Jahrhunderts soll es an diesem Ort eine Holzbrücke gegeben haben. 1772 wurde sie auf höchsten Befehl zur Hauptverbindung nach Berlin. Aus militärischen Gründen sollte der weiter nördlich gelegene Weg, der an der Zitadelle vorbeiführt, nicht mehr genutzt werden. Ein Brückenwächter hatte an der Klappbrücke dafür zu sorgen, dass jederzeit der Schiffsverkehr passieren konnte. Das klappte allerdings nicht immer. In den Jahren 1926 bis 1929 wurde dort, wo früher die alte Holzbrücke stand, die heutige 76 Meter lange Brückenkonstruktion errichtet. Ende April 1945, in den allerletzten Kriegstagen, gab es sinnlose und zugleich verlustreiche Kämpfe um die Charlottenbrücke.

Spreemündung und Uferabschnitt mit Zukunftsplänen

Hinter der Brücke können wir den Blick auf die Mündung der Spree in die Havel genießen. Eben dieser Zusammenfluss sowie bedeutende Handelswege begünstigten die Gründung Spandaus an dieser Stelle. Obwohl die Spree, aus der Oberlausitz kommend, mit ihrer Länge von etwa 400 Kilometern länger ist als die Havel (ca. 330 km), gilt sie als deren Nebenfluss. Auf der anderen Seite, dem Stresow, sehen wir die alten Gebäude der ehemaligen Geschützgießerei, ein Relikt der Militärgeschichte Spandaus. Der Uferweg ist auf diesem Abschnitt ein wenig schmaler. Im Zuge der Umgestaltung des Lindenufers wird er allerdings in absehbarer Zeit ausgebaut. Dann wird es auch Aussichtspunkte geben, die Sichtachsen zur Spreemündung in die Havel herstellen. Wenn die Baumaßnahmen erst einmal abgeschlossen sind, hat die Spandauer Altstadt mit ihrer langen Promenade am Havelufer einen echten Schatz zu bieten, der in Berlin seinesgleichen sucht.

Jüdisches Mahnmal am Lindenufer (Foto: Ralf Salecker)

Gedenken an die jüdischen Opfer des Naziterrors in Spandau (Foto: Ralf Salecker)

In der Grünanlage am Ufer springt ein ungewöhnliches Denkmal der Architekten Ruth Golan und Kay Zareh ins Auge: ein geborstener Würfel und eine sanft ansteigende Ziegelmauer. Das Mahnmal für die zerstörte Spandauer Synagoge und die Opfer der Shoah symbolisiert die in der Reichskristallnacht zerstörte Synagoge und erinnert an die jüdischen Opfer des Naziterrors in Spandau. Die Mauer trägt die Namen aller 115 bisher bekannten Opfer. Etwas oberhalb erinnert in der Kammerstraße eine Gedenktafel an einer Hauswand an die Zerstörung der Spandauer Vereinssynagoge.

Am Park- und Veranstaltungsplatz in der Grünanlage könnte man leicht eine kleine Mauer übersehen. Es ist der letzte Rest eines ehemaligen preußischen Militärlazaretts, welches später als Kaserne, Wohn- und Verwaltungsgebäude genutzt und 1977 abgerissen wurde. Etwa auf dieser Höhe befand sich früher die alte Brücke nach Berlin.

Von der Juliusturmbrücke auf den Behnitz

An der Juliusturmbrücke könnte man fast meinen, hier wäre die Altstadt zu Ende. Reger Autoverkehr strömt über die 104 Meter lange Brücke von und nach Berlin. Früher war dies die Berliner Chaussee, heute heißt die Straße Am Juliusturm. In den Jahren 1937 bis 1939 verlegte man die ehemalige „Berliner-Tor-Brücke“ ein Stück nach Norden an diese Stelle. Bis 1912 floss hier der „Alte Rhein“, ein kleiner Nebenarm der Havel, der den Behnitz vom Rest der Spandauer Altstadt abtrennte.

Nur noch wenige Meter sind es von der Juliusturmbrücke bis zur Schleuse Spandau. Um 1572 wurde die erste Kammerschleuse Spandaus erbaut und ermöglichte so ein problemloses Wechseln zwischen dem Ober- und Unterlauf der Havel. Nach fast 10 Jahren Sperrung der schon 1910 erbauten alten Schleuse wurde 2002 eine rundum erneuerte moderne Schleuse in Betrieb genommen. Jetzt können Schiffe bis zu einer Länge von 110 Metern passieren. Bei schönem Wetter sitzen viele Spaziergänger auf den Bänken an der Schleuse, um das Schauspiel des Schleusens zu beobachten. Wahrscheinlich schwingt bei manchen Zuschauern jedes Mal ein wenig Fernweh mit.

Kirche St. Marien am Behnitz (Foto: Ralf Salecker)

Die kleine Kirche im Behnitz ist ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte und Lesungen (Foto: Ralf Salecker)

Wir befinden uns nun im ältesten Siedlungsteil der Spandauer Altstadt (nicht Spandaus!), dem Behnitz, im Volksmund auch Kolk genannt, mit intakten Resten der Stadtmauer, engen Gassen, alten Fachwerkbauten und einer kleinen Kirche. Hier ist das „Mittelalter“ bis heute gegenwärtig. Die von einem Schüler Schinkels erbaute, äußerlich schlichte dreischiffige Backsteinkirche St. Marien am Behnitz verfügt über eine prachtvolle Innenausstattung. Erst nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten konnte der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden. Die ehemals katholische Kirche hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die katholische Gemeinde entstand damals neu im protestantischen Spandau, weil Friedrich Wilhelm I. Anfang des 18. Jahrhunderts Arbeiter aus dem katholischen Lüttich für Spandauer Gewehrfabriken anwarb. Heute ist St. Marien ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte und Lesungen.

Stadtmauer im Behnitz (Foto: Ralf Salecker)

Speisen zwischen Mühlengraben und Stadtmauer (Foto: Ralf Salecker)

Nur einen Steinwurf entfernt erblicken wir ein restauriertes Fachwerkhaus am Behnitz Nummer 4. Hier lebte früher der Komponist Wilhelm Heinemann. In Haus Nummer 5 soll ein Herr Poritz, seines Zeichens Nagelschmied, gewohnt haben. Er war 1850 einer der Beteiligten an der Befreiung Gottfried Kinkels aus dem Spandauer Zuchthaus. Am Hohen Steinweg steht das letzte, fast original erhaltene Stück der Stadtmauer. Es hat eine Länge von 53 Metern. Der Straßenname selbst weist darauf hin, dass es sich einst um eine gepflasterte Straße gehandelt hat, was früher durchaus eine Besonderheit war.

Zurück ins Herz der Altstadt bis zum Gotischen Haus

Nachdem wir eine kleine Runde über das historische Kopfsteinpflaster auf dem Behnitz gedreht haben, nehmen wir neben der Kirche St. Marien die Treppe hinauf zur vierspurigen Straße Am Juliusturm. Etwa an dieser Stelle ermöglichte früher die sogenannte Steinerne Brücke die Überquerung des Alten Rheins. Wenn wir uns links halten und den Weg über Brücke nehmen würden, wären es nur noch wenige Schritte bis zur Zitadelle Spandau, einer der am besten erhaltenen Renaissancefestungen Europas. Für unseren Altstadtrundgang nehmen wir jedoch die Ampel, um auf der anderen Straßenseite in die Fußgängerzone zu gelangen, die Breite Straße. An deren Anfang befindet sich ein Zugang zum U-Bahnhof Altstadt Spandau.

Gotisches Haus (Foto: Ralf Salecker)

Im ältesten Bürgerhaus Berlins befindet sich u.a. die Touristeninformation (Foto: Ralf Salecker)

Nach etwa 50 Metern machen wir Halt am Gotischen Haus, dem ältesten Bürgerhaus Berlins. Es ist eines der bedeutendsten profanen mittelalterlichen Baudenkmäler in Berlin. Selbst in ganz Brandenburg findet sich nur wenig Vergleichbares. Bemerkenswert ist das gut erhaltene Netzrippengewölbe aus der Zeit um 1500 im Erdgeschoss des Hauses. Im Mittelalter waren Fachwerk- und Holzbauten die Regel, repräsentative Steinbauten konnten sich nur sehr wenige leisten. Das spätgotische Gebäude aus dem 15. Jahrhundert wurde komplett saniert und beherbergt nicht nur die Touristeninformation Spandau, sondern ist auch Museum, Veranstaltungs- und Ausstellungsort. Wer wissen will, was in Spandau los ist, findet hier alle nötigen Informationen und kann auch gleich Tickets für viele Veranstaltungen buchen. Im Obergeschoss beschäftigt sich eine Dauerausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums mit dem Thema „Bauen und Wohnen in der Spandauer Altstadt“. Eine Sammlung mit Anker Steinbaukästen weckt bei so manchem Besucher sehnsüchtige Erinnerungen an die Kindheit.

Reformationsplatz und St.-Nikolai-Kirche

St.-Nikolai-Kirche (Foto: Ralf Salecker)

Die St.-Nikolai-Kirche ist heute ein Symbol für die Reformation in der Mark Brandenburg (Foto: Ralf Salecker)

Wir setzen unseren Weg in der Kirchgasse gegenüber dem Gotischen Haus fort. Sie führt uns direkt zum Reformationsplatz mit der St.-Nikolai-Kirche, dem Wahrzeichen der Altstadt. Die anstelle eines Vorgängerbaus aus dem 13. Jahrhundert errichtete Kirche ist heute ein Symbol für die Reformation in der Mark Brandenburg. Kurfürst Joachim II. nahm hier einst den protestantischen Glauben an. So erklärt sich auch, warum sein Standbild das Kirchenportal bewacht. Nicht nur von außen ist die gotische Backstein-Hallenkirche aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem mächtigen Satteldach und der rekonstruierten Barockhaube ein Juwel, auch der dreischiffige Kirchenraum hat einiges zu bieten. So befindet sich hier das älteste bronzene Taufbecken der Mark Brandenburg. Der prachtvolle Altar stammt aus der Renaissance und wurde einst vom Grafen Lynar, dem Erbauer der Zitadelle, gestiftet. Er selbst ruht in einer Gruft unter dem Altar. Wer möchte, kann an den Wochenenden in der Saison den Kirchturm besteigen und die Aussicht auf die Spandauer Altstadt genießen.

Schinkel-Denkmal für die Gefallenen der Befreiungskriege (Foto: Ralf Salecker)

Das älteste Denkmal Spandaus wurde 1995 restauriert (Foto: Ralf Salecker)

Der Reformationsplatz, der bis ins 18. Jahrhundert hinein der Kirchhof war, bietet viele Besonderheiten. Nördlich der St.-Nikolai-Kirche sehen wir die älteste Grünanlage Spandaus mit dem ältesten Denkmal des Bezirks, das an die Befreiungskriege 1813–1815 gegen das napoleonische Frankreich erinnert. Entworfen hat es Karl Friedrich Schinkel. Gleich daneben befindet sich das auf gotischen Kellergewölben errichtete Haus Spandovia Sacra, welches als Café und Museum genutzt wird. In der warmen Jahreszeit kann man hier gemütlich im Grünen sitzen. Rings um die Kirche erzählen die Häuser von einer bewegten Geschichte. Einer der berühmtesten Ärzte des 18. Jahrhunderts, Ernst Ludwig Heim, lebte und arbeitete einige Zeit als Stadtphysikus am Reformationsplatz Nummer 2. Später ernannte man ihn zum Kreisphysikus des Havellandes. Ein Hausbesuch wurde da schnell zu einer längeren Reise. Heim führte als erster Arzt die Pockenschutzimpfung ein. Als Arzt der Armen behandelte er viele Menschen, ohne Geld zu verlangen. Auf der Südseite der Kirche kann man leicht den Archäologischen Keller übersehen. Im Zuge von Vorbereitungsarbeiten für einen Neubau stieß man 1981 auf die Reste einer alten Klosteranlage der Dominikaner. 580 Gräber hat man hier gefunden. Jetzt kann man die Grabungsfunde durch große Fenster an der Mönchstraße bestaunen. Große Schautafeln erläutern die Geschichte der Anlage.

Abstecher zum Marktplatz

Marktplatz in der Altstadt Spandau (Foto: Ralf Salecker)

An ein paar Tagen unter der Woche findet auf dem Marktplatz der Havelländische Bauernmarkt statt (Foto: Ralf Salecker)

Die Mönchstraße führt uns direkt auf den Markt, den zentralen Platz in der Spandauer Altstadt. Auf dem Grundstück Markt 1 befand sich einst das alte Rathaus, bis die Bomben des Zweiten Weltkrieges es endgültig zerstörten. Der Markt verbindet die Carl-Schurz-Straße mit der Breiten Straße, den beiden Hauptgeschäftsstraßen in der Altstadt. Die bekannteste Konditorei Spandaus und einige Bäckereien laden zu süßen Genüssen ein. Wenn die Witterung es zulässt, kann man hier gemütlich sitzen und die Menschen beim Einkaufen beobachten. An ein paar Tagen unter der Woche findet der Havelländische Bauernmarkt statt, auf dem frische Produkte aus dem Umland angeboten werden. Alle großen Feste in der Altstadt nutzen den Marktplatz. Insbesondere der Weihnachtsmarkt lockt viele Besucher von weit her nach Spandau. Nach dem Abstecher auf den Marktplatz spazieren wir über die Carl-Schurz-Straße wieder zurück zum Reformationsplatz.

Kunst im historischen Gewölbekeller

Kommunale Galerie im Gewölbekeller (Foto: Ralf Salecker)

Heute stellen Künstler im Gewölbekeller des ehemaligen Prinz-Heinrich-Palais ihre Werke aus (Foto: Ralf Salecker)

An der Westseite des Reformationsplatzes gelangen wir durch die Toreinfahrt eines modernen Wohnhauses zu einer kleinen Metall-Wendeltreppe, die in einen historischen Gewölbekeller führt. Außen weist nichts auf das spätmittelalterliche Gewölbe dieses Kellers hin, dem faszinierenden Rest eines besonderen Gebäudekomplexes, der sich bis zur Ritterstraße erstreckte. Als gotisches Patrizierhaus errichtet, war das Gebäude vom 15. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts Heimstatt für Spandaus Bürgermeister. Später ließ es Prinz Heinrich zu einem Palais umbauen. Nach ihm wurde es später Prinz-Heinrich-Palais genannt. Es ist recht wahrscheinlich, dass Prinz Heinrich wegen seiner Homosexualität nach Spandau in die Provinz verbannt wurde. Sein Bruder Friedrich der Große besuchte ihn ab und an in der Stadt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude Sitz des Königlichen Kreisgerichtes und später des Amtsgerichtes. Die Bomben des Zweiten Weltkrieges schädigten das Gebäude derart, dass es abgerissen werden musste. Heute ist das mittelalterliche Kellergewölbe eine kommunale Galerie. Regelmäßig präsentieren hier Künstler ihre Werke.

Durch die Ritter- zur Jüdenstraße

Vom Reformationsplatz führt unser Weg weiter durch die Ritterstraße mit ihren alten Gebäuden aus dem 18., 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, deren Kellerfundamente bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Gleich zu Beginn (Hausnummer 1) lassen uns die Fachwerkgebäude wieder in die Vergangenheit abtauchen und echtes Altstadtgefühl aufkommen. Das Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wie früher beherbergt es auch heute Gäste von nah und fern. Manche Quellen behaupten, dass es sich um das älteste Hotel Berlins handelt. Gleich gegenüber erfreut uns eine schöne Jugendstilfassade.

Wendenschloss (Foto: Ralf Salecker)

Große Toreinfahrten bei Ackerbürgerhäusern sorgten dafür, dass auch Pferdegespanne passieren konnten (Foto: Ralf Salecker)

Die Ritterstraße stößt nach wenigen Metern auf die Jüdenstraße, wo uns das sogenannte Wendenschloss empfängt. Auffällig ist das große Eingangsportal. Es rührt daher, dass auch Pferdegespanne hindurchpassen sollten. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude besonders alt. Schaut man sich die schnurgeraden Balken an, wird aber klar, dass es sich nur um den Nachbau eines Ackerbürgerhauses handeln kann. Ackerbürger waren Stadtbewohner, die ihre Felder vor der Stadt bestellten.

Der Name Jüdenstraße weist vermutlich auf Spandaus erste Synagoge hin. Im Dritten Reich benannte man sie in Kinkelstraße um. Der Grund lag nicht nur darin, dass man grundsätzlich alles Jüdische tilgen wollte, man wollte auch an Gottfried Kinkel erinnen, den evangelischen Theologen, der später Professor für Kunst- und Literaturgeschichte und Redakteur der Bonner Zeitung war. Heute könnte man ihn als Symbolfigur der Demokratisierung Deutschlands bezeichnen. Seine Beteiligung am badisch-pfälzischen Aufstand brachte ihm fast die Todesstrafe ein, aus der schließlich eine lebenslange Haft im Spandauer Zuchthaus werden sollte. Dieses lag zwischen der heutigen Jüden- und Carl-Schurz-Straße. Doch der eingesperrte Kinkel erhielt Hilfe von seinem Freund Carl Schurz, der ihm wieder zur Freiheit verhalf.

Ein kleiner Platz mit wechselvoller Geschichte

Wir halten uns links und folgen der Jüdenstraße bis zu einem kleinen begrünten Platz, an dessen Rückseite Remisen einen Teil der alten Stadtmauer bilden. Die kleinen Räumlichkeiten werden heute von einigen Künstlern als Kunstremisen genutzt. Der heute so friedlich anmutende Platz und sein direktes Umfeld haben eine alles andere als friedliche Geschichte. Im 13. Jahrhundert gab es hier einen jüdischen Friedhof und im 15. Jahrhundert eine Synagoge. Während der Judenverfolgung Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Friedhof eingeebnet und seine Steine u.a. im Festungsbau verwendet. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand am Platz eine Kaserne, um die Soldaten besser kontrollieren zu können. Vorher war es üblich, diese bei den Bürgern einzuquartieren. Manch einer nutzte die Gelegenheit zur Flucht. Nahe der Stadtmauer, auf dem Gelände der heutigen expressionistischen Wohnanlage, stand seit dem 15. Jahrhundert die Moritzkirche, welche von einem Kirchhof umgeben war. Wie schon bei der St.-Nikolai-Kirche musste auch hier der Kirchhof nach und nach dem Militär weichen. Die alte Kirche selbst riss man unverständlicherweise 1920 ab. Wer mag, kann an diesem beschaulichen Ort bei Speis und Trank verweilen oder über die kleine Brücke am Ende der Jüdenstraße linker Hand wieder zum Rathaus, dem Ausgangspunkt des Rundgangs, zurückkehren. Man muss nicht an der großen Straße gehen, sondern kann den kleinen Weg entlang des Mühlengrabens nehmen.

Start und Ziel: Rathaus Spandau

Für den Rundgang durch die Spandauer Altstadt benötigen sie etwa 1 bis 2 Stunden.

  • Rathaus Spandau
  • Stabholzgarten
  • Batardeau
  • Havelbrücke
  • Lindenufer
  • Charlottenbrücke
  • Spreemündung
  • Jüdisches Denkmal
  • Juliusturmbrücke
  • Spandauer Schleuse
  • Behnitz
  • St. Marien am Behnitz
  • Stadtmauer im Behnitz
  • Gotisches Haus
  • Reformationsplatz
  • St.-Nikolai-Kirche
  • Schinkel-Denkmal
  • Markt
  • Historischer Gewölbekeller
  • Wendenschloss – Ackerbürgerhaus
  • Stadtmauer am Viktoriaufer

Haltestellen:

Berlin Spandau (S5/ Regionalbahn),
Rathaus Spandau (icon_u-bahn7)

Anfahrt aus Berlin:

icon_u-bahn7 bis Rathaus Spandau; alternativ: S5/ Regionalbahn bis Berlin-Spandau

Vom Berliner Hauptbahnhof bis Berlin-Spandau sind es mit der S5 etwa 30 Minuten. Die Regionalzüge benötigen ca. 15–20 Minuten.

Tourist-Information im Gotischen Haus
Breite Str. 32
13597 Berlin
Telefon: 030 – 333 93 88
Fax: 030 – 333 04 83
www.spandau-tourist-information.de

Öffnungszeiten:
Mo bis Sa 10–18 Uhr

Spandau Tourist-Info - Interaktive Karte

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