Falkenseer Platz

Der vierspurige Kreisverkehr am Falkenseer Platz behauptet sich als eine der größten Verkehrsschlagadern im Bezirk. Er verbindet den Altstädter Ring mit der Straße Am Juliusturm, dem Falkenseer Damm und der Neuendorfer Straße. Auf der Grünfläche in seinem Inneren wirft ein Fischer gemütlich sein Netze aus. Die Bronzefigur symbolisiert Spandau als Stadt am Fluss und Stadt der Fischer.

Das Umfeld des Platzes lädt zu einer Reise in die Vergangenheit ein – in die Zeit, als nahe dem Oranienburger Tor noch die Garnisonkirche stand, es einen Hafenplatz gab und sich im heutigen Brauhaus die Heeresdampfwäscherei befand. Auch Spuren eines Reiterstandbildes lassen sich noch finden.

Spuren der Vergangenheit am Rande der Altstadt

Fischer mit Netzen (Foto: Ralf Salecker)

Die Bronzfigur symbolisiert Spandau als Stadt am Fluss und Stadt der Fischer (Foto: Ralf Salecker)

Das Herz des Falkenseer Platzes, eine Grünfläche mit einem Durchmesser von 80 Metern, ist sicherlich keine Insel der Ruhe. Trotzdem wirft hier ein Fischer gemütlich seine Netze aus: Die Bronzeskulptur „Fischer mit Netzen“ ist 3 Meter hoch, wiegt eine Tonne und ruht auf einem Sockel aus Muschelkalk. Die Bildhauerin Ursula Hanke Förster verkörperte mit ihr Spandau als Stadt am Fluss und Stadt der Fischer. Hergestellt wurde die Skulptur von der Bildgießerei Hermann Noack in Friedenau. Ihren heutigen Platz bezog sie am 11. November 1960. Nur wenige Tage zuvor war der Kreisverkehr zwischen Falkenseer Damm und der Straße Am Juliusturm nach umfangreichen Baumaßnahmen eingeweiht worden. Jürgen Grothe beschreibt in „Weißt Du noch?“, dass 11 Kanonenschläge am 11.11. um 11:11 Uhr ertönten – schließlich war Karneval.

Die Geschichte eines Verkehrsknotenpunktes

Straßen sind wie große Messer, die eine Landschaft zerschneiden. So hat der Bau der Straße Am Juliusturm (von 1900 bis 1939 hieß sie Berliner Chaussee) den Behnitz (Kolk) von der Altstadt abgetrennt. Erst seit 1941, mit dem Bau der Juliusturmbrücke, erhielt sie ihren heutigen Verlauf. Früher gab es hier einen alten Havelarm, der einst von Spandaus Bürgern zu einem Flutgraben ausgebaut wurde, dem „Alten Rhein“ oder „Deutschen Rhein“. Eine kleine Brücke, genannt die Steinerne Brücke, sicherte die Verbindung zum Rest der Spandauer Altstadt. Im Jahr 1912 wurde dieser Havelarm wegen des Baus der Straße Am Juliusturm zugeschüttet. Der 1963 fertiggestellte Altstädter Ring sollte große Verkehrsströme um die Altstadt herumleiten, was er noch heute tut. Bei solch großen Plänen müssen „unwichtigere“ Dinge meist weichen: Für den Bau des Rings wollte man ursprünglich sogar den Mühlengraben zuschütten. Zahlreiche Häuser wurden deswegen abgerissen. Viele Menschen verloren hierdurch ihre Wohnungen. Der Altstädter Ring verläuft dort, wo sich im 17. Jahrhundert die Festungsanlagen der Stadt Spandau befanden. Erst 1880 riss man die Befestigungen ab, weil sie durch die Verbesserung der Geschütztechnologie nutzlos wurden. Auch das heutige Rathaus befindet sich formal außerhalb der Altstadt, nämlich auf der früheren Bastion I der Festung. Spuren der Straßenbahnlinie 55, die bis zum 2. Oktober 1967 zwischen Bahnhof Zoo und Hakenfelde fuhr, sind heute keine mehr zu entdecken. In Hakenfelde hat sich das ehemalige Gleisbett in einen Grünstreifen verwandelt. Die Straßenbahn selbst war aber der Grund für den großen Durchmesser des Falkenseer Platzes. Schienen ließen sich anscheinend nicht in engeren Kreisen verlegen.

Eine verschwundene Garnisonkirche und Spuren eines Reiterstandbildes

Garnisonkirche am Hafenplatz (Quelle: Postkarte)

Die Garnisonkirche stand nahe dem Oranienburger Tor und wurde 1890 eingeweiht (Quelle: Postkarte)

Vieles entgeht dem flüchtigen Blick, wenn man dem hektischen Verkehr folgt. Manches ist längst vergangen. So auch die Garnisonkirche nahe dem Oranienburger Tor, von dem nur der Name geblieben ist. Er bezeichnet die Sackgasse am Eingang zum Wröhmännerpark. Errichtet wurde die Kirche in den Jahren 1887 bis 1890 auf ehemaligem Festungsgelände kurz nach dem Abbruch der Stadtmauern Spandaus für das Militär. Ihr 70 Meter hoher Turm war weithin sichtbar. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie schwer beschädigt, sodass sie 1950 gesprengt werden musste. Heute verläuft die Neuendorfer Straße genau über ihren früheren Standort hinweg.

Ehemaliger Hafenplatz (Foto: Ralf Salecker)

Hier stand einst das Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I. (Foto: Ralf Salecker)

Eine winzige historische Spur ist heute noch südlich der ehemaligen Garnisonkirche sichtbar. Schaut man vom Brauhaus in Richtung Grünanlage, sieht man den Stufenunterbau des einzigen Reiterstandbildes, das Spandau je hatte. Seit 1909 ragte die 4,5 Meter hohe Bronzefigur Kaiser Wilhelm I. auf einem fast ebenso hohen Sockel in den Himmel. Zwölf Jahre dauerte es, bis Spandaus Bevölkerung die 52.000 Mark für das geforderte Geburtstagsgeschenk des Kaisers zusammengesammelt hatte. Schon 1942 wurde die Skulptur allerdings wieder entfernt. Im Krieg benötigte man das in ihr verarbeitete Metall.

Das Brauhaus hat im 1880 errichteten Gebäude der ehemaligen Heeresdampfwäscherei Quartier bezogen. Neben der Wäscherei entstanden damals die Garnisonsbäckerei und das Proviantamt. All diese und noch andere militärische Gebäude schossen fast wie Pilze aus dem Boden, nachdem die alte Stadtmauer endgültig beseitigt war. An diesen Backsteinbauten entlang verlief früher einmal die Neuendorfer Straße.

Ehemaliger Hafenplatz am Wröhmännerpark

Nur ein Name zeugt noch vom ehemaligen Hafenplatz. Heute befindet sich hier die Bushaltestelle am Wröhmännerpark, der wiederum bis 1964 Wröhmännerplatz hieß. Im Zuge der umfangreichen Umgestaltung der Straßenlandschaft ging der Hafenplatz am Wröhmännerpark 1961 in der Neuendorfer Straße auf. Der Hafenplatz trug seinen Namen nicht von ungefähr: 1858 wurde an der nahen Havel der erste städtische Hafen Spandaus errichtet. Schon 1950 schüttete man den größten Teil allerdings wieder zu. Schaut man vom Park über die Straße, dann fällt einem unweigerlich das Haus mit der Nummer 101 ins Auge. Hier war früher der Sitz des Berliner Volksblattes. Aus der Fusion der Spandauer Zeitung und des Volksblattes ging 1945 das Spandauer Volksblatt hervor. Die Spandauer haben auch heute noch ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrer Zeitung. Mit der Straßenführung ist es wie mit dem ehemaligen Mauerstreifen. Schon nach wenigen Jahrzehnten bleiben kaum mehr Spuren der Vergangenheit. Manchmal sind es nur Namen, die ahnen lassen, dass Dinge, die heute unveränderlich erscheinen, schon für die nachfolgende Generation vergessen sind.

Gedenktafel Karl Heinrich

Gedenktafel  Karl Heinrich (Foto: Ralf Salecker)

An Karl Heinrich erinnern eine Gedenktafel und die Karl-Heinrich-Brücke an der Straße Am Juliusturm (Foto: Ralf Salecker)

Vom Falkenseer Platz in Richtung Behnitz ist es nur ein Katzensprung. Nur wenige Autofahrer bemerken, dass sie kurz vor dem Behnitz eine Brücke überqueren. Sie trägt den Namen des sozialdemokratischen Polizeimajors Karl Heinrich (1890–1946). Eine kleine Gedenktafel, etwas versteckt in der Grünanlage zwischen Parkplatz und Bürgersteig, erinnert an ihn. Karl Heinrich wurde 1936 wegen „Hochverrat“ von den Nazis inhaftiert und später ins KZ verbracht. Im Juli 1945 wurde er von der russischen Besatzungsmacht zum Kommandeur der Berliner Schutzpolizei ernannt, jedoch kurz darauf von Russen in das KZ Hohenschönhausen verschleppt, wo er 1946 ums Leben kam.

Falkenseer Platz

Haltestellen:

Falkenseer Platz (icon_metrobusM37),
Altstadt Spandau (icon_u-bahn7)

Anfahrt aus Berlin:

S5 oder Regionalbahn bis Berlin-Spandau, von dort zu Fuß weiter (ca. 10 Minuten) oder icon_u-bahn7 bis Altstadt Spandau

Vom Berliner Hauptbahnhof bis Berlin-Spandau sind es mit der S5 etwa 30 Minuten. Die Regionalzüge benötigen ca. 15-20 Minuten.

Tipps für weitere Orte

Wröhmännerpark

Der hübsch gestaltete Park zwischen Havel und Falkenseer Platz bietet Holzliegen auf einer Wiese, einen Spielplatz und ein Seerosenbecken.

Behnitz (Foto: Ralf Salecker)

Rundgang durch den Behnitz

Das älteste Siedlungsgebiet der Spandauer Altstadt war einst eine Insel zwischen Havelarmen. Alte Fachwerkhäuser versetzen Besucher in eine vergangene Zeit.

Spandau Tourist-Info - Interaktive Karte

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