Spektegrünzug

 

Obwohl der Spaziergang mitten in Spandau beginnt, führt uns der etwa 6 Kilometer lange Weg beinahe durchgehend im Grünen bis nach Falkensee. Der Spektegrünzug, durch den wir die meiste Zeit laufen, ist nicht nur ein attraktives Naherholungsgebiet, sondern bietet als Biotop zugleich Raum für seltene Pflanzen und Tiere. Am Kiesteich erwartet uns eine große Liegewiese.

 

Wer mag, kann sich im Anschluss an den Spaziergang die Open-Air-Ausstellung „Spurensuche: Mauer“ anschauen, den Geschichtspark Falkensee besuchen oder in den Spektewiesen asiatische Wasserbüffel beobachten. Radfahrer haben Anschluss an den Mauerradweg.

Vom Bahnhof Spandau bis nach Falkensee

 

Münsingerpark (Foto: Ralf Salecker)

Vom Spandauer Hauptbahnhof direkt ins Grüne (Foto: Ralf Salecker)

Startpunkt unseres kleinen Ausflugs ist der Haupteingang des Bahnhofs Spandau. Hier ist es noch laut und ungemütlich, befinden wir uns doch an einem der größten Verkehrsknotenpunkte im Bezirk. Nachdem wir die Straßenseite gewechselt und den Münsingerpark betreten haben, wird es jedoch ruhiger. Wir nehmen den Weg, der hinter der Bushaltestelle der Linien 130 und 237 in den Park führt. Benannt wurde dieser übrigens nach Gottlob Münsinger, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgermeister von Spandau war. Neben Oasen der Ruhe bietet der Park einen neu gestalteten großen Spielplatz und verschiedene Sportflächen.

 

Der Weg endet an der Galenstraße. Diese überqueren wir an der Ampel, halten uns dann links (nicht geradeaus in den Hohenzollernring weitergehen!) und nehmen die nächste Abzweigung (rechts in die Grünanlage), die uns durch die Georg-Ramin-Siedlung führt. Auch Georg Ramin war Bezirksbürgermeister von Spandau – ein paar Jahre nach Münsinger.  Nach wenigen Minuten erreichen wir die 80 Hektar große Fläche des Spektegrünzugs, der im Sommer 2016, nach 36 Jahren Bau- und Renaturierungstätigkeit, fertiggestellt wurde.

Spektegrünzung (Foto: Ralf Salecker)

Ungewohnt weit kann der Blick von hier schweifen (Foto: Ralf Salecker)

Der kleine Hügel gleich zu Beginn des Spektegrünzugs wird im Winter zur Rodelbahn. Ungewohnt weit kann von hier der Blick schweifen. Rechts und links des Grünzugs sind Wohnsiedlungen zu erkennen. Mehrere Wege führen nun stetig nach Westen. Einige alte Obstbäume auf den Wiesen zeugen davon, dass hier einmal Gärten standen. Im Frühjahr bietet ihre Blütenpracht einen wunderbaren Anblick.

Kurz vor der Zeppelinstraße führt uns ein langer Holzsteg durch ein Schilfgebiet. Die alte feuchte Senke wurde renaturiert. Vögel finden hier viele Nistplätze. Hier zeigt sich der Grünzug noch deutlich als ehemaliges Feuchtgebiet. Nicht ohne Grund wurde die Spekteniederung nie bebaut.

 

Die Spekteniederung – Biotop und Park

Die Spekteniederung gehört zu einem ausgedehnten Senkengebiet, welches sich mit einer Länge von rund 6 Kilometern und eine Breite zwischen 200 und 500 Metern von Falkensee im Havelland bis nach Spandau erstreckt. Sie beginnt am Südrand des Spandauer Forstes, „folgt“ der Berliner Stadtgrenze und knickt mit der Spektelake nach Süden ab. Der Grünzug ist Teil des Urstromtals Warschau-Berlin und entstand während der letzten Eiszeit, der Weichsel-Eiszeit. Schon im Mittelalter wurde dieser Bereich genutzt, damals aber eher als Grünland. Die feuchten Wiesen und flachen Moore ließen eine Viehwirtschaft kaum zu. Der Spektegrünzug trägt wie ein großer Staubsauger zur Frischluftzufuhr in die Stadt bei.

Spektegrünzug (Foto: Ralf Salecker)

Bis in die 1930er Jahre hinein floss hier noch die Spekte (Foto: Ralf Salecker)

Bis in die 1930er Jahre hinein existierte hier noch die Spekte als ein kleiner Fluss, der in den Feuchtgebieten des Havellandes entsprang und bei Spandau in die Havel mündete. Die Urbarmachung des Havellandes in den vergangenen Jahrhunderten sowie Grundwasserabsenkungen durch die Inbetriebnahme des Wasserwerks Spandau 1897 ließen das Flüsschen praktisch verschwinden.

Die geologische Beschaffenheit dieser „Rinne“ führte dazu, dass nur die Randbereiche bebaut wurden. (1965 war Baubeginn der Großsiedlung Falkenhagener Feld – für 50.000 Menschen.) Dieser Umstand kam einer späteren Neugestaltung der Landschaft sehr entgegen.

Im Jahre 1973 begann der Bezirk Spandau damit, den Bereich zu einem Naherholungsgebiet auszubauen, wenn das Gebiet auch eher als Parkanlage gesehen wurde. 1974 wurden viele alte Planungen, wie etwa ein Schwimmbad oder eine große Anzahl von Kleingartenparzellen, verworfen. Ökologische Interessen traten stärker in den Vordergrund, auch wenn einige schützenswerte Tiere und Pflanzen den Arbeiten am Ende zum Opfer fielen. Bisher gewerblich oder landwirtschaftlich genutzte oder einfach brachliegende Flächen wurden umgestaltet.

Die vormals existierende Situation eines Tales sollte durch Rekultivierungsmaßnahmen in Ansätzen wiederhergestellt werden. Man wollte einen Ort mit Erholungswert für die Bewohner der Umgebung schaffen und gleichzeitig Biotope für Pflanzen und Tiere. Liegewiesen, Spielplätze, Wander- und Radwege gehörten damit ebenso in das Konzept wie Bereiche, die dem Menschen nicht zugänglich sein sollten, damit die Natur sich dort frei entfalten kann.

Spektegrünzug (Foto: Ralf Salecker)

Der Spektegrünzug ist Biotop und zugleich Erholungsgebiet (Foto: Ralf Salecker)

Mit dem Landschaftsprogramm von 1987 strebte Berlin die Ausweisung des Spektegrünzugs als Landschaftsschutzgebiet an. Vorrangig hervorgehoben wurde die Entwicklung des Grabens als „Biotop mit Verbindungsfunktion für Arten der Gewässerränder“. Die gesamte Fläche sollte der Grundwasseranreicherung und dem Schutz des Stadtklimas dienen.

Der gemeinsame Wunsch beider Nachbargemeinden eines durchgehenden Grünzugs von Spandau bis nach Falkensee ist seit dem Sommer 2016 Wirklichkeit. Der Versuch einer gemeinsamen Beteiligung an der Landesgartenschau 2009, in der Flächen mit einer Ausdehnung von über 319 Hektar zusammengeführt werden sollten, scheiterte damals. Oranienburg bekam den Zuschlag. Inzwischen sind alle Lücken geschlossen, so dass sich nun wirklich ein durchgehendes grünes Band zwischen Falkensee und Spandau erstreckt.

Mehr als 20 Millionen Euro sind in die Umgestaltung des Spektegrünzugs als natürlich geprägten Landschaftsraum geflossen. Das Ergebnis ist ein rund 80 Hektar großes Parkgelände, das sowohl Platz für erholungsuchende Menschen als auch für seltene Pflanzen und Tiere bietet.

Von der Zeppelinstraße bis zum Großen Spektesee (Kiesteich)

Großer Spektesee (Foto: Ralf Salecker)

Noch ist das Baden im See nicht erlaubt, wird aber geduldet (Foto: Ralf Salecker)

Die vielbefahrene Zeppelinstraße überqueren wir an der Fußgängerampel. Der nun folgende Abschnitt bis zur Schulzenstraße wurde im Sommer 2016 fertiggestellt. Von nun an bewegen wir uns wieder vom Verkehr ungestört bis zu den Gleisen der Osthavelländischen Eisenbahn, im Volksmund Bötzowbahn genannt. Ein breiter asphaltierter Weg bietet bequem Raum für Radfahrer und Fußgänger. Kurz vor der Bötzowbahn befindet sich ein moderner Spielplatz mit vielen Spiel- und Klettergeräten.

Hinter den Gleisen gelangen wir in den Spektepark, dessen Herz der Große Spektesee ist. Nach dem Krieg wurde aus dem See Kies für den Aufbau Berlins gefördert. Im Volksmund heißt er deshalb schlicht Kiesteich. Der Park wurde vor kurzem neu gestaltet und mit attraktiven Sportflächen für alle Generationen ausgestattet. Besonders markant ist der große Kletterfelsen kurz hinter den Gleisen. Direkt daneben befindet sich eine Beachvolleyball-Anlage mit feinstem Sandboden.

Planung für die Liegewiese an der Badestelle Kiesteich im Spektepark

Planung für die Liegewiese an der Badestelle Kiesteich im Spektepark (Bild: BA Spandau)

Die Liegewiesen am See werden im Sommer gerne von Badegästen genutzt. Das Baden hier ist zwar eigentlich nicht erlaubt, wird aber stillschweigend geduldet. Nicht mehr lange, dann entsteht hier auch eine offizielle Badestelle. Schon jetzt sorgt ein kleiner Kiosk am See dafür, dass niemand hungern oder dürsten muss.

Wir gehen rechts um den See herum. Das Ufer ist teilweise dicht mit Schilf bewachsen. Der Weg führt uns zur Spektebrücke, die wir unterqueren, während der Verkehr der Straße Am Kiesteich über uns hinwegbraust.

An der Spektelake bis nach Falkensee

Spektegrünzung (Foto: Ralf Salecker)

Der Weg führt an der Spektelake bis nach Falkensee (Foto: Ralf Salecker)

Hinter der Brücke wird der Grünzug etwas schmaler und es gibt getrennte Wege für Fußgänger und Radfahrer. Im Schilf deutet sich der alte Lauf des früheren Baches an. In der Mitte der Spektelake gibt es eine Holzbrücke, auf der sich im Sommer Badehungrige tummeln, um von hier ins Wasser zu springen. Sie führt zum Finkenkruger Weg, auf dem der Mauerradweg verläuft.

Wir folgen aber weiter dem Weg am schilfbestandenen Nordufer der Spektelake, bis wir die Falkenseer Chaussee erreichen. Im Sommer sind die Wiesen an der Spektelake ein Meer von blühenden Pflanzen.

An der Falkenseer Chaussee erinnert die Open-Air-Ausstellung „Spurensuche: Mauer“ daran, dass genau hier früher einmal die Berliner Mauer stand, die Spandau in Westberlin und Falkensee im Land Brandenburg unüberbrückbar voneinander trennte. Die 13 Stelen lassen uns daran teilhaben, wie die Menschen auf beiden Seiten der Mauer diese Zeit erlebt haben.

Geschichtspark Falkensee (Foto: Ralf Salecker)

Eine der Baracken des ehemaligen KZ Außenlagers steht noch (Foto: Ralf Salecker)

Anschließend haben wir zwei Möglichkeiten. Linker Hand gelangen wir über den Mauerradweg zum Geschichtspark Falkensee. Hier befand sich im Dritten Reich ein Außenlager des KZ Sachsenhausen. Heute erinnert eine Gedenkstätte an die Greueltaten von damals.

Halten wir uns dagegen rechts und überqueren die Falkenseer Chaussee, führt uns der Weg zu den Spektewiesen. Diese haben inzwischen einen Teil ihres ursprünglichen Charakters zurückgewonnen. In einer feuchten Senke, die für den Menschen nicht zugänglich ist, tummeln sich in der warmen Jahreszeit asiatische Wasserbüffel, die sich als biologische Rasenmäher betätigen. 2014 das erste Mal hier eingesetzt, haben sie schon einen großen Teil des uralten Gestrüpps gefressen. Die Vogelwelt freut es.

Mit dem Bus 137 oder 337 geht es zurück zum Bahnhof Spandau. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann auf dem Mauerradweg bis zur Bürgerablage, nach Nieder Neuendorf oder Hennigsdorf weiterfahren.

36 Jahre Gestaltung des Spektegrünzugs

Wie ein großer Staubsauger sorgt der Spektegrünzug als Kaltluftentstehungsgebiet für Frischluft in der Innenstadt. Erste Überlegungen zum heutigen Spektegrünzug gab es schon in den 1970er Jahren. Notwendig wurden Erholungsflächen, weil ab 1965 allein im Falkenhagener Feld Wohnungen für 50.000 Menschen entstehen sollten. So ist es nicht verwunderlich, dass zuerst direkt um den Großen Spektesee (Kiesteich) herum, als erster Bauabschnitt (BA), ab 1980 die Herstellung des Spekteparks mit einer Teilverfüllung des Kiesteiches begann. Im zweiten BA erfolgte ab 1984 eine Renaturierung des Kiesteiches. Von 1987 an begann die Gestaltung von Spektewiese und Spekte Nord (ohne Kolonie Grenzstein) zur öffentlichen Grünfläche. 1994 ging es dann an die Wiederherstellung der Spektelake. Von 2003 an wurde die Herstellung des Teilstücks Hohenzollernring / Zeppelinstraße in Angriff genommen und 2010 die Kolonie „Grenzstein“ als öffentliche Parkanlage freigegeben. 2014 begann die Herstellung des Teilabschnittes Zeppelinstraße bis Bötzowbahn. Im Sommer 2016 wurde dann das letzte Stück, zwischen Zeppelinstraße und Schulzenstraße endgültig fertiggestellt werden.

Spandau verfügt nun über einen weiteren Grünzug, der einen fast die umliegende Stadt vergessen lässt. Nur selten kommt man auf der Tour vom Rathaus Spandau bis nach Falkensee, die für Radfahrer wie Fußgänger gleichermaßen geeignet ist, mit dem Autoverkehr in Kontakt. Insgesamt wurde etwa 25 Millionen Euro investiert, um dieses besondere Naherholungsgebiet zu schaffen. Ein Teil des Geldes kam von der Bahn. Weil diese für den Ausbau der Bahntrassen Natur zerstören musste, floss Geld in sogenannte Ausgleichsmaßnahmen.

 

Bildergalerie zum Spektegrünzug

 

Start: Bahnhof Spandau

Ziel: Falkenseer Chaussee / Stadtgrenze

Start: Bahnhof Spandau

Ziel: Stadtgrenze nach Falkensee an der Falkenseer Chaussee

 

Länge: ca. 6 km

Zu Fuß: ca. 1,5 Stunden

 

Anschlusstour für Radfahrer: An der Stadtgrenze nach Falkensee besteht Anschluss an den Mauerradweg nach Alt-Kladow im Süden Spandaus oder zur Bürgerablage im Norden.

  • Münsingerpark

 

  • Georg-Ramin-Grünzug

 

  • Spektegrünzug

 

  • Open-Air-Ausstellung „Spurensuche: Mauer“

 

  • Geschichtspark Falkensee

 

  • Spektewiesen

Haltestelle Startpunkt:

 

Bahnhof Spandau (S5, Regionalzüge)

Rathaus Spandau (icon_u-bahn7)

 

Haltestelle Endpunkt:

 

z. B. Freudstraße (icon_bus137, 337)

 

Rückfahrt nach Berlin:

 

Mit einem der genannten Busse zum S+U Rathaus Spandau und von dort weiter mit der S5 oder einem Regionalzug. Der icon_bus337 fährt außerdem nach Falkensee. Ab Geschichtspark Falkensee fährt zusätzlich der Bus 652 nach Falkensee. Achtung: In Falkensee beginnt für Berliner Preisstufe C! Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann zum Bahnhof Albrechtshof radeln und von dort einen Regionalzug nach Berlin nehmen.

Tipps für weitere Touren und Orte

Mauersegment am Groß Glienicker See (Foto: Ralf Salecker)

Mauerradweg in Spandau

Die Tour beginnt am Schiffsanleger Alt-Kladow. Von hier aus geht es zum Groß Glienicker See und dann entlang des ehemaligen Grenzverlaufs bis zur Bürgerablage.

Münsingerpark (Foto: Ralf Salecker)

Münsingerpark

Benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister Spandaus Gottlob Münsinger bietet der Park neben Oasen der Ruhe einen großen Spielplatz und Sportflächen.

Spandau Tourist-Info - Interaktive Karte

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