Alte Kolkschänke

Über 100 Jahre Kneipengeschichte hat sie auf dem Buckel, die kleine Kneipe im Behnitz, dem ältesten Siedlungsgebiet der Spandauer Altstadt. Angesichts des baufälligen Hauses kann man nur staunen, dass sie bis 2013 tatsächlich noch Gäste empfangen hat. Nun ist sie für immer geschlossen. Trotzdem lohnt es, hier mal vorbeizuschauen, zumal der Behnitz ohnehin einen Besuch wert ist.

Die Straße Kolk, in der die Kneipe zu finden ist, bietet einen einzigartigen Blick in die Vergangenheit Spandaus. Ein Hauch von Mittelalter scheint hier noch zu wehen. Alte, windschiefe Fachwerkhäuser prägen das Bild der Straße. Alle wurden liebevoll restauriert – bis auf das Haus mit der Nummer 3.

100 Jahre Kneipengeschichte

Alte Kolkschänke (Foto: Ralf Salecker)

Alle Häuser am Kolk wurden liebevoll restauriert – bis auf das Haus mit der Nummer 3 (Foto: Ralf Salecker)

Vor 150 Jahren verfügte angeblich keine Stadt Europas über mehr Kneipen als Berlin. Schaut man sich dagegen heute in der Stadt um, sieht die Lage anders aus: Die klassische Eckkneipe und ihre Geschwister, für die es keine Ecke gab, prägen schon lange nicht mehr das Stadtbild. In Spandau, der ehemaligen Arbeiterstadt, sieht es nicht anders aus. Umso mehr fallen verbliebene alte Kneipen ins Auge. In Spandau gilt dies in besonderer Weise für die Alte Kolkschänke im Behnitz, dem ältesten Siedlungsgebiet des Bezirks. Leider ist auch sie inzwischen geschlossen.

Die Straße Kolk, in der die Kneipe zu finden ist, bietet einen einzigartigen Blick in die Vergangenheit Spandaus. Ein Hauch von Mittelalter scheint hier noch zu wehen. Alte, windschiefe Fachwerkhäuser prägen das Bild der Straße. Alle wurden liebevoll restauriert – bis auf das Haus mit der Nummer 3. Dieses wirkt so, als wenn seit 100 Jahren niemand mehr die Tür geöffnet hätte und als ob es gleich in sich zusammenfallen könnte, so sehr hat der Zahn der Zeit an ihm genagt. Das Schild am Haus „Alte Kolkschenke“ – geschrieben mit „e“ – weist auf eine Bauzeit um 1743 hin. Das ist alt.

Alte Kolkschänke (Foto: Ralf Salecker)

Bis 2013 gingen hier tatsächlich noch Gäste ein und aus (Foto: Ralf Salecker)

In der Berliner Denkmaldatenbank ist das Haus der Kolkschänke nur recht kurz beschrieben. Das „Baudenkmal eines Wohnhauses“ wird in die Zeit von 1728 bis 1750 datiert. Ganz exakt scheint dies nicht mehr feststellbar zu sein. Angesichts der äußeren Erscheinung des Hauses überrascht es geradezu, dass sich die Tür der Schänke tatsächlich bis 2013 noch für Gäste geöffnet hat.

Im Innern fühlte man sich denn auch wie in einer fremden Welt. Das Licht im Gastraum wirkte gelblich, es tauchte den Raum in einen unwirklichen Schein. Jederzeit erwartete man Gäste aus der Vergangenheit, die nur noch an diesem Ort in Spandau einen Platz zum Verweilen finden. Ein großer polierter Tresen dominierte den kleinen L-förmigen Raum. Alles war in einem braunen Farbton gehalten, bei dem man sich nicht sicher war, ob es sich um Nikotinspuren der vergangenen 100 Jahre handelt oder um eine ganz spezielle braune Farbe, die im Laufe der Zeit eine ganz besondere Patina bildet. Unzählige Risse in der Decke machten deutlich, dass noch Leben in diesem Haus war. Trotzdem hat es die Wirren des Krieges überlebt.

An den Wänden und in den Regalen gab es keinen freien Platz mehr. Fotografien, Bilder und allerlei Kneipen-Requisiten ließen ahnen, dass hier alles über einen langen Zeitraum gewachsen war. Eine Handvoll kleiner Tische, meist nur für zwei Personen, und ein großer runder Stammtisch für ein halbes Dutzend Personen boten Platz für eine überschaubare Zahl von Gästen. Rot-weiß karierte Tischdecken waren der einzige Schmuck.

Hatte man einmal Platz genommen und mit Muße geschaut, was so alles an den Wänden hängt, dann kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Wände waren ein lebendiges Museum der Geschichte Spandaus. So erinnerten Fotografien vom „Deutschen Rhein“ oder der Stadtmauer an die frühen Zeiten des Behnitz. Und es gab Zeichnungen des Spandauer Heimatforschers Albert Ludewig, der nach Aussage der Wirtin Margot Zint oft Gast in der Kolkschänke gewesen ist. 1911 sei das Haus zu einer Gaststätte umgebaut worden. Mehr als 100 Jahre Kneipentradition sind eine lange Zeit. Margot Zint, Mutter von zwei Kindern, ist die Enkelin des Erbauers. Sie stand seit 43 Jahren unermüdlich hinter dem Tresen ihrer „Alten Kolkschenke“. Wenige Kneipen dürften so lange im Familienbesitz sein. Wenn alles gut ging, öffnet sie die Gastwirtschaft immer in der Zeit von 17 bis 22 Uhr.

Es ist schade, dass sich die Pforten dieses Lokals inzwischen für immer geschlossen haben – ein Nachfolger scheint nicht in Sicht. In guten Zeiten war es in der Schänke recht voll gewesen, denn sie war so etwas wie ein Nachbarschaftstreff für die Bewohner des Behnitz. In den letzten Jahren kamen dagegen nur noch einige Stammgäste ab und an hinein und ein paar Touristen betraten staunend diesen Ort. Ein Büchlein über Kneipen setzte dem Lokal ein kleines Denkmal: „Berliner Jahrhundertkneipen – Lokale mit Geschichte und Geschichten“.

Alte Kolkschänke

Alte Kolkschenke
Kolk 3
13597 Berlin

Haltestellen:

Altstadt Spandau (icon_u-bahn7),
U Altstadt Spandau (icon_busX33)

Anfahrt aus Berlin:

S5/ Regionalbahn bis Berlin-Spandau, von dort zu Fuß weiter (ca. 10 Minuten) oder mit der icon_u-bahn7 bis Altstadt Spandau

Vom Berliner Hauptbahnhof bis Berlin-Spandau sind es mit der S5 etwa 30 Minuten. Die Regionalzüge benötigen ca. 15–20 Minuten.

Spandau Tourist-Info - Interaktive Karte

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