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Zuflucht, Militärstandort, Wohnen und Erholen

Spandau hat viel Wasser, aber mit Eiswerder (Werder: Insel im Strom) nur eine der Allgemeinheit zugängliche Insel zu bieten. Sie ist 140.000 Quadratmeter groß und liegt mitten im Spandauer See. Die roten Bachsteinziegel der Hallen, Silogebäude und Schornsteine prägen weithin das Erscheinungsbild von Eiswerder. Nördlich der Zitadelle gelegen, sorgen zwei Brücken für eine dauerhafte Verbindung der Insel mit dem Festland. Schnell gelangt man so von der Spandauer Neustadt kommend über Große  und Kleine Eiswerderbrücke in den Ortsteil Haselhorst.

Zuflucht, Militärstandort, Wohnen und Erholen

Kleine Eiswerderbrücke (Foto: Ralf Salecker)

Kleine Eiswerderbrücke (Foto: Ralf Salecker)

Die Kleine Eiswerderbrücke wurde 1892 errichtet, sie verband von östlicher Seite die Rüstungsanlagen mit dem preußischen Eisenbahnnetz. Von der anderen Seite konnten die damaligen Rüstungsarbeiter nur mit einer kleinen Fähre die Insel erreichen. Mit der 1903 fertiggestellten Großen Eiswerderbrücke änderte sich dies.

Ein wenig Zeit sollten wir erübrigen, um unseren Blick von der Großen Eiswerderbrücke in alle Richtungen schweifen zu lassen. Im Süden ragen die Mauern der Zitadelle Spandau auf. Gleich rechts von der Brücke liegt das Quartier Schultheiss, in dem die alten Gebäude der ehemaligen Brauerei in neuem Glanz erstrahlen. Auf der Frieda-Arnheim-Promenade laden Restaurants zum Verweilen ein. Vom Altstadthafen Spandau aus kann man mit Booten die Wasserwege in Berlin und Umgebung erkunden.

Quartier Schultheiss, Große Eiswerderbrücke und Altstadthafen (Foto: Ralf Salecker)

Quartier Schultheiss, Große Eiswerderbrücke und Altstadthafen (Foto: Ralf Salecker)

Viele werden die Insel Eiswerder vor allem mit Filmen der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in Verbindung bringen. Arthur Brauner mit seiner berühmten CCC (Central Cinema Company) hatte von 1950 bis Anfang der 70er in Haselhorst und auf der Insel (in der ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik) seine Studios. Viele Edgar Wallace-Filme wurden hier gedreht.

Wechselvolle Geschichte Eiswerders

Die Geschichte der Insel reicht weit zurück. Mitte des 18. Jahrhunderts stand hier nur ein einziges Haus. Eine Familie aus der Steiermark hatte hier ihre Zuflucht gefunden. 1746 wurde die Insel durch das Amt Spandau auf königlichen Befehl an den steiermärkischen Emigranten Philip Schupfer zur Besiedlung freigegeben.

Später wurde sie zur Waffenschmiede des Deutschen Reiches. Das Geheime Brandraketen-Laboratorium zog 1829 von der Zitadelle auf die Insel. Hier betrieb der Militärfiskus seit 1826 ein königliches Feuerwerkslaboratorium, von dem heute noch Produktionsgebäude und Wohnhäuser mit Remise existieren. Im 19. Jahrhundert befanden sich auf Eiswerder eine Pulverfabrik, eine Geschützgießerei, eine Artilleriewerkstatt, eine Patronenfabrik und eine Munitionsfabrik. 1892 erhielt Eiswerder über eine 55 Meter lange Brücke einen direkten Anschluss an die Bahn am heutigen Spandauer Hauptbahnhof. Wegen einer möglichen Explosionsgefahr fuhren in den Fabriken feuerlose Dampflokomotiven.

Auch als Umschlag- und Lagerungsplatz für Getreide fand die Insel eine immer größere Bedeutung. Von dieser Zeit zeugen noch heute die alten Förderanlagen, Lagergebäude und das Getreidesilo, auch wenn die Nutzung sich inzwischen geändert hat. Das Getreidespeichergebäude (Reichstypenspeicher) wurde in den Jahren 1939-1940 im Auftrag der ,,Westfälische Transport AG’’ (WTAG) errichtet. 10.000 Tonnen Getreide konnten hier gelagert werden. Schienen- und Wasseranbindung waren ideal dafür.

Senatsreserve, Medien und Wohnen

Ehemaliges Getreidesilo und Lager für die Senatsreserve (Foto: Ralf Salecker)

Ehemaliges Getreidesilo und Lager für die Senatsreserve (Foto: Ralf Salecker)

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die noch intakten Gebäude einer friedlichen Nutzung zugeführt. Um in Falle einer weiteren Blockade Berlins gewappnet zu sein, lagerte man hier ab 1953 „im Geheimen“ einen Teil der Senatsreserven ein. Speisesalz, Getreide, Dinge des täglichen Bedarfs. Mehr als vier Millionen Tonnen wurden in ganz Berlin auf Vorrat gehalten. Mach einer hat so sein Schnäppchen machen können. Wenn sich Konservendosen ihrem Mindesthaltbarkeitsdatum näherten, wurden sie für wenig Geld an die Bevölkerung verkauft.

Glücklicherweise fand auch der „Kalte Krieg“ sein Ende. Das Silo wurde nicht mehr benötigt. 2015 begannen die Umbauarbeiten am ehemaligen Silo. Inzwischen sind aus dem massiven Gebäude, luftige Lofts mit Blick über den Spandauer See geworden.

In den alten Fabrikhallen der Insel entstanden Büros. Inzwischen existieren attraktive Uferwege und Parkanlagen. Künstler, wie die Inselspinnen, nutzen die alten Hallen für ihre Arbeiten. Weitere Wohnungen entstehen in den Fabrikhallen.

Auf Eiswerder haben sich neue Medienunternehmen niedergelassen und produzieren Sendungen für das Fernsehen. Im Laufe der Jahre wurde der Traum von einer großen Medieninsel geträumt. Dieser zerplatzte aber, ebenso, wie die Ankündigung, hier eine attraktive Umgebung für die Präsentation von Oldtimern zu schaffen.

Naherholungsgebiet Eiswerder

Früher Bahnwärterhäuschen, nun Edelrestaurant (Foto: Ralf Salecker)

Früher Bahnwärterhäuschen, nun Edelrestaurant (Foto: Ralf Salecker)

Betritt man über die Große Eiswerderbrücke die Insel, stehen zwei Wege für Fußgänger und Radfahrer zur Auswahl. Linker Hand geht es in den kleinen Eiswerderpark. Der Weg führt uns nördlich durch die Insel, vorbei zwischen Feuerwerkslaboratorium und Inselspinnen.

Ein anderer Weg ermöglicht uns die Insel auf ihrer südlichen Seite zu umrunden. Mit dem JWD (janz weit draußen) existiert hier seit langen Jahren eine Spandauer Disko. Direkt daneben gibt es die Möglichkeit, am und im Restaurant Stilbruch, welches in einem alten Fachwerk-Bahnwärterhäuschen sitzt, den Blick auf die Krienicke – die einst ein Ort für eine Seeschlacht zwischen Spandauern und Berlinern war – und zum Quartier Pulvermühle zu genießen. Wer mag, kann hier auch direkt mit dem Ruderboot anlegen.

Rundweg auf Eiswerder (Foto: Ralf Salecker)

Rundweg auf Eiswerder (Foto: Ralf Salecker)

An der Kleinen Eiswerderbrücke treffen die Wege wieder zusammen. Von hier haben wir nach Norden einen schönen Blick auf die Pionierinsel. Vom Menschen ungestört, leben dort inzwischen wieder Biber.

U-Bahn Linie 7: Bahnhof Haselhorst

Fünf Minuten zu Fuß in Richtung Norden entlang der Daumstraße bis zum Grützmacherpark und Grützmachergraben.

Bus 236

Lüdenscheider Weg oder Stadion Haselhorst (icon_bus136)

Spandau Tourist-Info - Interaktive Karte

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